3. Etappe, Helsinki bis Stockholm



Helsinki. Sonntag, 10. Juli 2016

Wir feiern drei navigatorische Ereignisse: 
Wir haben den 60. Breitengrad überquert, haben den 25. Längengrad Ost erreicht, 
und unser neues Log, dass wir im letzten Winter eingebaut haben, zeigt jetzt mehr als 1000 Seemeilen an. 1000 sm sind wir in 2016 schon gesegelt. Davon ca. 50 sm vor unserem Ostseesommer. Die übrigen Meilen sind in den letzten 6 Wochen auf unserer Runde auf dem Baltischem Meer zusammen gekommen. 
Mit den geographischen Koordinaten haben wir auch einen graphischen Zenith der Runde erreicht. Weiter nach Osten werden wir nicht fahren. Ab jetzt heißt die Hauptrichtung West. Aber es liegen noch einige Höhepunkte dieser Reise vor uns: Das Segeln in den Schären, Stockholm und der Götakanal. 

Einen seglerischen Höhepunkt mussten wir gestern auf dem Weg von Tallinn nach Helsinki absolvieren:
Ganz früh um 7.00h legen wir ab. Die Ampel für die Durchfahrt durch das Fährenbecken von Tallinn wird gleich auf grün geschaltet. Ein Finne vom Nachbarboot klärt das mit dem Handy.  Die Sonne scheint. Es weht ein leichter Wind. Da er etwas zu steil entgegen kommt, laufen wir noch ein paar wenige Meilen unter Motor weiter, bis sich der Kurs etwas östlicher ändert und wir endlich, nach fast einer Woche im Hafen wieder segeln wollen. Schön. Doch dazu kommt es nicht. Nach einer 3/4 Stunde zieht Seenebel auf. Relativ schnell, aber noch mit kalkulierbarer Sichtweite. Wir bleiben auf Kurs, reduzieren etwas die Geschwindigkeit, Bergen das Großsegel und lassen aber das Vorsegel stehen, um besser gesehen zu werden. Der große Radarreflektor ist in den Gebieten mit viel Großschiffahrt obligatorisch in den Mast gezogen. Wir hoffen auf kurzfristige Besserung der Sicht, schließlich ist es Sommer und die Sonne schien doch eben kräftig und wird den Nebel bald auflösen. Aber es bleibt beim Nebel. Ein, zweimal gibt es größere Löcher mit besserer Sicht Aber man verschätzt sich sehr leicht, weil der Wunsch etwas sehen zu wollen, während man in die graue Wand starrt, einem doch schnell etwas vorgaukelt.
Auf dem Bildschirm des Kartenplotters können wir die AIS-Signale der großen Pötte beobachten. Wir halten uns am Rand der Fahrrouten. Zwei große Autofähren und ein Hochgeschwindigkeitskatamaran sind schon an uns vorbeigegangen. Wir müssen abwägen: Weiterfahren oder erneut abbrechen? Wie kann das Risiko einer gefährlichen Annäherung  weiter reduziert werden? Wir bleiben am Rand des Fahrwassers, beobachten AIS und die Nebelwand und fahren mit 3,5kn mit äußerster Vorsicht weiter. 
Vor dem Verkehrstrennungsgebiet, der Schiffsautobahn von West nach Ost, zwischen Tallinn und Helsinki ist der Nebel für eine halbe Stunde weg. Wir fassen den Entschluß weiter zu fahren. Wir sind auch schon für ein Umkehren zu weit. Müßten auch auf dem Rückweg durch den Nebel in der Tallinnbucht. Als wir das VTG vor uns erreichen, zieht der Nebel weiter zu. Ein russisches Schiff, Kurs Ost, soll unseren Weg kreuzen. Wir gehen auf Warteposition außerhalb des VTG und drehen enge Kreise auf der Stelle. Geben unsere Position per Funk an Tallinn Trafic Control weiter, damit man weiß, das wir auch da sind, falls man uns auf dem Radar nicht erkennen kann. Aber Trafic Control hat kein Interesse an der Info, bedankt sich höflich, aber weist daraufhin, das wir ein small craft sind und keinen report absetzen müßten.
Vielen Dank auch. Von dort kann also keine koordinierende Hilfe erwartet werden. Wir drehen unsere Kreise bis der Russe fast an uns vorbei ist. Auf dem Bildschirm. Aber es ist kein Computerspiel! Sehen können wir ihn nicht. In Abstand von einer knappen Meile passieren wir sein Heck und gehen auf Kurs 20*, geben Gas, um das Risikogebiet möglichst schnell hinter uns zu bringen. Die Nebelhörner der Schiffe, die wir mit AIS ausmachen können, hören wir sehr gut aus dem grauen Nichts. Da können wir mit unserer Stadiontröte nicht mithalten. Aber mögliche anderen Segler können wir so warnen.

15sm vor Helsinki wird die Sicht besser. Es kommt sogar Wind auf. Wir setzen die Segel und entspannen uns erleichtert. Mit 6kn geht es nach NNO. Im Nebel ist es auch im Sommer immer sehr feuchtkalt. Jetzt scheint die Sonne. Die dicken Regenhosen haben wir ausgezogen, die Pullover gegen T-Shirt getauscht. 
Da taucht am Horizont  ein neuer, grauer Wattekragen zwischen Wasser und Himmel auf. Nebelhorntuten ist wieder zu hören. Innerhalb von 10 Minuten stecken wir schon wieder in einer dicken Erbsensuppe. Also erneut alle Vorsichtsmaßnahmen ergreifen. Großsegel runter, um Fahrt zu reduzieren. Motor an, auf Standby. Alle 3 Minuten in die Stadiontröte pusten. Die Fock zieht uns mit 3,5kn. Das ist genug. 
Zum Glück ist auch diese Nebelwand irgendwann zu Ende, rechtzeitig bevor das Tonnenwirrwarr in den Schären vor Helsinki losgeht. Jetzt müssen wir die Orientierung auf dem kleinen Seekartenmaßstab und im Wald der Baken, Spieren, Tonnen und Leuchtfeuer lernen. Nicht so einfach, aber sehr systematisch. 
Vor uns geht eine Vikingfähre durch die enge Durchfahrt von Suomenlinna. Mit diesem  Guide vorweg fällt es leichter den Weg zu finden. Nach 11h können wir im Vereinshafen des HMVK im Norrahamn von Helsinki festmachen. Puh!!


Helsinki - Porkala, Montag, 11. Juli 2016
Portugal ist Europameister im Fußball. Dennoch sind wir der Meinung, und mit uns 10 Finnen in einer Hafenkneipe vor dem TV-Bildschirm, dass man sich nicht waagerecht vom Platz tragen läßt und am Ende den Pokal vor Millionenpublikum hochreißt. Ne, ne Ronaldo, das war 'ne Abstaubernummer. 
Nachdem wir Sonntagnacht, nach dem Endspiel unsere 5 Bier mit 30€ (!) bezahlt haben, kuscheln wir uns in die Koje. Morgen soll es früh los gehen. 
Helsinki. Am Montagmorgen hören wir schon vor dem Aufstehen das Nebelhorntuten der großen Schiffe aus dem Hafen. Oh jeh, nicht schon wieder. Die Sonne scheint zwar, aber es ziehen wieder dicke Nebelschwaden durch den Hafen. Wir warten bis Mittag. Als es nur noch dunstig ist, legen wir ab. Da es heute nur ca. 25 sm werden sollen, können wir uns einen späten Start erlauben. Noch einmal fahren wir einen extragroßen Bogen im Nordhafen, um die Positionskoordinaten 25* östliche Länge mit einem Foto zu dokumentieren. Dann ab in das Tonnen- und Leuchtfeuerlabyrinth und die Fährrouten vor Helsinki kreuzen. Wir haben Glück, freie Bahn, keine Fähre in Sicht. 
Da die vorhergesagte Windstärke doch nicht erreicht wird, laufen wir mit Motor weiter. Ein paar Seemeilen versuchen wir zu segeln. Später am Nachmittag ziehen dicke graue Wolken auf und es fängt an zu regnen. Gerade so eben können wir die Garderobe auf wasserdicht wechseln, da schüttet es schon wie aus Eimern und hört nicht mehr auf. Auch macht der dichte Regen die Weitsicht fast unmöglich. Wir hangeln uns von Seezeichen zu Seezeichen. Zum Glück sind viele Boote unterwegs und alle nehmen die bezeichneten Routen in den Schärenfahrwassern. Das hilft beim Orientieren. Trotzdem ist die eigene Navigation gefragt: Ein kleines grünes Motorboot und ein Segler fahren mit gleicher Geschwindigkeit voraus. Bei einer Richtungsänderung des Fahrwassers nach rechts, fährt das Motorboot nach links. Der finnische Segler hinterher. Da aber die Tonnen der Nachbarrouten nahebei  stehen und genauso sichtbar wie die eigene Route sind, ist eine Verwechslung leicht möglich. Wir biegen nach rechts ab. Das ist unser geplanter Kurs. Der Finne zögert, kehrt um und läuft nun hinter uns her. Das grüne Motorboot verschwindet zwischen den Inseln. 
5 weitere Schäreninseln, 35 Seezeichen und 6 Buchten weiter, kommt der Hafen Dragensvik/Porkala in Sicht. Unsere Routine, die Skokie zum Anlegen vorzubereiten, läuft an. Es gießt immer noch aus Kübeln. Der Hafen ist übervoll, es sind keine Mooringbojen mehr frei. Aber für die Skokie finden wir immer irgendwo einen Platz. Am Stegkopf übergeben wir eine Leine, und machen uns längsseits am äußersten Boot fest. So können wir über das Heck direkt auf den Steg klettern, während der Rest von Skokie am anderen Boot angeleint ist. Sozusagen Päckchenliegen mit Heck-Stegverbindung. 
Erst um 21h hört der Regen auf. 
Unter unserer Baumpersenning hängt die Naßgarderobe zum Abtropfen. Trocken wird sie erst später. Im Boot, bei laufender Heizung. 
In einem einfachen Restaurant, in einem Holzbootsschuppen, gönnen wir uns eine Pizza und jeder ein Bier. Es ist sehr gemütlich und die Studenten, die das Schuppenrestaurant betreiben sind superfreundlich. Das müssen sie auch sein. Denn nur mit  einem wirklich freundlichem Lächeln kann man verhindern, daß die Gäste vor Schreck ins Wasser plumpsen, wenn sie für ein Bier für 7€  bezahlen müssen!

Wir sind wieder "online". Es geht weiter 
Aber die WiFi-Netze werden spärlicher. 
Also werden wir nicht mehr jeden zweiten Tag erzählen können. Aber wir melden uns. 
Zur Zeit sind wir 20sm östlich von Hanko. Das Wetter ist gut. Freitag gibt's Sturm. 


Porkala, Dragesvik

SY Vision aus Österreich
Am zweiten Tag in Dragensvik läuft eine größere Sunbeamyacht ein. Am Heck weht eine rot-weiß-rot gestreifte Nationalflagge. Keine Letten, sondern Österreicher. 
Später am Sanitärgebäude, beim Warten auf eine freie Dusche, kommen wir ins Gespräch. Zunächst auf englisch, aber durch den Alpenakzent lässt sich die Herkunft leicht zuordnen. Auf deutsch tauschen wir uns weiter aus. Warum man denn aus Österreich kommend im Norden segelt und nicht in der Adria? 
Schnell stellt sich heraus, dass sie ihren Heimathafen in Großenbrode bei Fehmarn haben und von dort gestartet sind. Ob sie den netten Verein und die Marina in der Westecke von Großenbrode kennen würden? Na klar, man ist dort Mitglied und schnell sind wir bei Sharon und Thorsten, unseren Segelfreunden, die uns auf der ersten Etappe begleitet haben. Natürlich kennen wir die!
Am Abend werden wir sehr nett zu einem Glas Wein auf die SY Vision eingeladen und wir beschließen Sharon und Thorsten mit Fotos von beiden Crews per eMail zu überraschen. Mitten in Finnland so ein zufälliges Treffen. Die Seglerwelt ist doch erstaunlich klein, wie Thorsten in seiner Antwortmail meint. 
Das Foto von Toni und Annette auf ihrer "Vision" ist oben zu sehen. 
Danke für den netten Abend beim Wein. 

Sommarö, 20sm östlich vor Hanko


Die weiße 23
Wir segeln zwischen den Schären. Zwischen Porkala und Sommarö. Das bedeutet ständig Aufmerksamkeit und Konzentration beim Navigieren und Steuern. Die Fahrwasser sind gut und systematisch betonnt, dennoch müssen wir uns immer wieder reindenken. Auf den Karten finden wir oft zwei "Wege" in eine Richtung, das äußere Fahrwasser mit größerer Mindesttiefe, oft am Rand des Schärengürtels und damit ungeschützter. Und ein inneres Fahrwasser, fahrbar mit geringerem Tiefgang, aber für Segelyachten mit "üblicher" Kieltiefe bis ca. 2m problemlos zu passieren. Die Seekarten muß man gesehen haben. Dicht an dicht Linien, Zeichen, Symbole. Kein Quadratzentimeter auf dem Papier ist unbedruckt  Es braucht schon Übung alle Details zu entdecken und oft finden wir die Markierungen, die z.B. auch als weiß angemalte Steinhaufen an Land stehen, erst spät. Inzwischen haben wir aber ein wenig Gespür dafür entwickelt. Dennoch passieren komische Sachen: Wir müssen nach einer Felseninsel nach rechts abbiegen und auf eine versetzt liegende enge Durchfahrt zusteuern. Diese soll mit zwei weißen Steinhaufen markiert sein. Den zweiten Haufen kann man aber eigentlich erst sehen, wenn man eine halbe sm weiter nach Norden gefahren ist. Dann ist es möglich um die nächste Ecke sehen. Trotzdem können wir schon jetzt zwei weiße Markierungen am Ufer erkennen. Sehr deutlich. Nicht nur den ersten Steinhaufen.  "Sind wir hier richtig? Haben wir die richtige Abzweigung genommen?". Nervös suchen wir auf der Seekarte nach ähnlichen Konstellationen, vollziehen den bereits zurückgelegten Weg nach und kontrollieren unsere Position auf dem Plotter. "Das kann doch nicht sein!".  Wir fahren etwas langsamer und peilen angestrengt. "Kann man die zweite, hintere weiße Marke doch schon von hier aus sehen? Dann stimmt die Karte nicht. Das Weiße auf dem Felsen dort, sieht wie eine große 23 aus! Findest Du das in der Karte?" Wir nähern uns vorsichtig. Werden, wie schon sooft, von einem der schnellen finnischen Motorboote eng überholt. Finnen in Motorbooten haben es immer eilig. Sind immer rasant und schnell unterwegs. Und es scheint einen Riesenspass zu machen, möglichst knapp zwischen den Segelbooten durchzupreschen und eine möglichst hohe Welle auf das sonst ruhige, glatte Schärenwasser zu zirkeln.
Das Motorboot zischt in die Durchfahrt. Das muß der richtige Weg sein. Als wir nahe genug an der weißen 23 sind, können wir um die Ecke jetzt den richtigen zweiten weißen Steinhaufen sehen. Dort wo er sein soll. Die weiße 23 auf dem Felsen entpuppt sich als zwei weiße Liegestühle, die auf einem Sonnenplatz stehen und zu einem Ferienhaus gehören. Mannomann, diese Relaxliegen haben nicht zur Entspannung beigetragen. 

Anlegen
Wir kommen in einer kleinen Marina auf der Insel Sommarö an. Wie immer schauen wir uns mit einer langsamen Platzrunde vor den Stegen die Möglichkeiten zum Festmachen an. Heckboje oder Fingersteg? Klampen oder Ringe am Steg? Wind von welcher Seite? 
Wenn wir uns in Ruhe einen Platz ausgesucht haben, hängen wir die Fender noch auf die richtige Höhe und bereiten die Leinen für das Anlegemanöver vor. Wir sprechen das Manöver noch durch, verabreden noch kurz was wir tun, wenn irgendwas nicht klappen sollte und dann legen wir eben an. Jedesmal freuen wir uns über die große Verlässlichkeit und die Gewissheit darüber, was der andere, 10m auf dem Boot entfernt, tun wird, um die  Skokie sicher und ohne Dellen am Steg zu vertäuen. Wieviel Anlegemanöver wir schon zusammen gefahren sind? Es werden bestimmt schon weit mehr als hundert gewesen sein. Und jedes war anders als das vorherige. 
(Wir haben noch einmal überschlagen und kommen auf 250-300 👍🏻)

Auf Sommarö finden wir einen wundervollen friedlichen Platz. Mit einer sehr freundlichen Hafenmeisterin, hyggelige Landschaft, Ruhe, Entspannung, Puppenstubenidylle. Schade, das es am nächsten Tag schon weitergehen soll. Für Freitag ist schlechtes Wetter vorausgesagt. Da wollen wir in Hanko sein und auf Wetterbesserung warten. 


Sommarö

Hanko, Finland


Freitag, 15. July 2016

Samstag, 16. Juli 2016
Fotos: Vorbeifahrt an zwei Peilmarken,  bis sie fast in Deckung sind und die Kurslinie für den Gegenverkehr vorgeben. Der kleine weiße Leuchturm unterstützt an einer Engstelle. 
Heute hatten wir nicht so großen Spaß. Der Wind war noch ziemlich stark. Es ist schon lange nicht mehr hochsommerwarm. Und wenn der Wind aus der irgendeiner westlichen Richtung kommt, wird er zwischen den Inseln immer so kanalisiert, dass er immer genau von vorn kommt. Egal in welche Richtung man fährt, er kommt von vorn. Wir haben Lust auf längere Strecken und entspannteres Segeln bei Sonne. Beides haben wir seit langem nicht mehr. Ab Donnerstag soll ein Hoch über der zentralen Ostsee sein. Dann können wir wenigstens Sonne erwarten. Jetzt liegen wir in einer fürchterlich wellig, unruhigen Marina namens Kasnäs. 

Das Foto hat uns Heike von der SY Mariana noch gesendet. Danke.

Turku, Finland. 17. Juli 2016

Wir verlassen Kasnäs. 
Dort hatten wir eine der schlimmsten Hafennächte, die wir je erlebt haben. Liegeplatz außen, ohne Schutz. Wind und Welle von achtern schaukeln das Boot auf und die Wellen schmatzen die ganze Nacht unter dem flachen Heck. Da bringen die Fender, die wir unter das Heck gebunden haben und als kleine Wellenbrecher fungieren sollen nur wenig Erleichterung. Es wippt, es schaukelt, es schmatzt und knallt. Andrea zieht es vor, nicht in der Heckkoje zu schlafen und hofft im Salon mehr Ruhe zu finden. 
Gleich nach dem Auslaufen geht es mit dem Tonnensuchen los. 
Heute hat es uns dann erwischt: Wir waren kurz davor uns zu verirren. 
Die Tagesstrecke ist auf dem iPad vorgeplant und am festinstallierten Plotter zusätzlich eingegeben. Doublecheck. Wie jeden Tag. Alle Tiefenangaben sind geprüft. Als unterwegs auf den Papierseekarten umgeblättert werden muß, stellen wir fest, dass die empfohlene innere Schärenroute anders verläuft als auf den elektronischen Geräten. Da die Papierseekarten immer der Master sind, wird die Route zunächst auf dem iPad korrigiert.  Das geht schnell und ganz komfortabel. Aber das Ganze bei 25* Krängung, fast 7kn Fahrt und jede Seemeile kommt ein neuer Wegepunkt. iPad ist fertig, die Route steht. Jetzt noch den Plotter ändern. Ca. 20 Wegepunkte müssen geändert werden. Da das Gerät nicht so sehr neu ist, braucht es länger. Und die Bedienung ist komplizierter. Aber auch das lässt sich bei 7kn und 25* Schräglage erledigen. 
Wir segeln die Route ab und kommen an eine "Kreuzung" aus der fünf Wege herausführen und zwei untiefe Stellen zu finden sind. Das iPad sagt halblinks, der Plotter halbrechts, und auf der Seekartenseite sind alle Wege zu sehen, jedoch ist der weitere Verlauf wegen des begrenzten Kartenausschnitts und kleinen Maßstabs nicht auszumachen. Hinzu kommt noch der Wechsel von einem Kartensatz auf den nächsten. Serie D, 12 Blätter nördlicher Teil schließen sich an die 20 Blätter südlicher Teil, Serie C an. 
Es beginnt hektisches Blättern und Hin- und Herzoomen. Wohin wollen wir und was ist der richtige Weg? Wie setzt sich die Systematik in der nördlichen Kartenserie fort und was ist überhaupt auf dem Wasser zu sehen? Mit 7kn schießen wir auf die "Kreuzung". Dort stehen ca. 10 Seezeichen in unterschiedlicher Farbgebung, geometrischer Ausprägung und Entfernung. Aber alle nicht mehr als 1,5sm weit. Wenn nicht bald klar ist, wo wir hin sollen, kommen wir zum Stehen und zwar auf einem Felsen. Wo ist es eigentlich noch ausreichend tief hier? Und was machen die vielen anderen Boote? Bleiben sie auf Kurs oder kommen sie gefährlich nahe? Die zu berücksichtigenden Parameter nehmen exponentiell zu. Entscheidungsdruck. 
STOP! Wir machen wohl genau das einzig Richtige und versuchen, Skokie zu stoppen, um uns zu sortieren. Sofort die Fock einrollen und mit dem Bug in den Wind. Das Großsegel knattert und schlägt bei 5Bft laut, weil es nicht mehr mit Wind gefüllt ist. Passende Akustik in der Stressatmosphäre.  Doch wir haben genug Raum nach Luv und ausreichend Wassertiefe. Das hat der erste Check ergeben. Der Motor wird gestartet und läuft standby. Wir kommen zum Stehen und können uns sammeln. Überblick. Wo soll's hingehen? Intensiver Check der Papierseekarten, ok.  Was sehen wir auf dem Wasser? Ok, Orientierung ist klar. Wie kann der Plotter helfen? Zwei Wegepunkte neu eingegeben, auch ok. Verschnaufen. Dahinten zwischen den beiden großen Kardinaltonnen nach Nordost, dann leicht rechts. Super, wir wissen wieder wo wir sind und wo es längs gehen muß. Na dann, die Fock wieder ausrollen und auf Kurs gehen. Was sind wir froh, als wir etwas freieres Fahrwasser erreichen und einmal längere Zeit in die gleiche Richtung fahren können. Um 18.30, nach heute 40sm, laufen wir glücklich in Turku, der angeblich ältesten Stadt Finnlands ein. Etwas erschöpft.




Sonnentag in Turku
Es nicht zu glauben, aber heute scheint die Sonne. Nicht durchgängig, es gab zwei, drei Schauer, aber die nutzen wir in einem Museum und in einem netten Café gleich neben einem Bestattungsunternehmen. Ware aus finnischem Holz wird im Schaufenster angeboten.
Turku empfinden wir als beschaulich, übersichtlich und sympathisch. Nicht so groß wie Helsinki, aber wesentlich netter als Hanko. Nicht-skandinavische Touristen sind sehr spärlich. In der Marina ist zu unseren Ehren die deutsche Nationalflagge gehisst. Skokie ist heute das einzige deutsche Boot im Hafen. Es weht noch eine russische und eine belgische Fahne an Land.
Wir finden einen Bootsshop, der einmal mehr als nur Impeller, Leinen und Sicherungen hat. Andrea kauft sich neue Bootsschuhe, da ihre alten in den letzten Jahren den Grip unter Sohle verloren haben. Das ist an Deck nicht so toll, weil sie ständig schlittert. Mit einem Gutschein aus der Marina bekommen wir 10% Rabatt. Ein finnisches Mückennetz für die Decksluke gibt es auch noch. Bisher gab es aber noch keine Probleme mit den Stechbiestern. Aber wir rechnen stark mit Attacken.
Der Stadthafen von Turku liegt an einem Fluß, ähnlich wie in Polen. Allerdings gibt es kostenlose Fußgängerfähren und ausreichend Brücken.
Der Fluß endet vor der letzten Brücke, das Meer beginnt bei der ersten Brücke. Je nachdem woher man schaut.
Der Stadtlärm bleibt weiter weg, man hat zwischen der ersten Häuserzeile und dem Wasser eine ruhige Esplenada.
Duschen und Sauna im ersten Wohnblock hinter dem Hafenmeisterbüro über die Straße im Keller. Mit Codeschloß.
Nach den Besorgungen - optimistischerweise haben wir Grillfleisch gekauft- machen wir uns eine faule Stunde im Cockpit und schauen den vorbeifahrenden Booten und Schiffen im Halbliegen bei Kaffee und Zigarette zu. 
Ende Juli findet in Turku eine große Swan-Regatta statt zum 50. Bestehen der Swan-Werft. Das waren in den 70ern und 80ern die Traumyachten aus Finnland schlechthin. Ende Juli sind wir aber leider nicht mehr hier.

Mitternacht in den finnischen Schären

Insel Korpo, Verkan. Dienstag, 19.7.2016
Insel Korpo, Verkan. Dienstag, 19.7.2016

Sottunga. Mittwoch, 20. Juli 2016

Mittwoch, 20. Juli 2016 

Schärensegeln bei 5 Bft ist anstrengend. Besonders in engen Fahrwassern. Kontinuierliche Kurswechsel und konzentrierte Navigation. Bis Hanko hatten wir geübt, meistens mit Motor, weil der Wind von vorn kam. Von Hanko gings über Kasnäs nach Turku. Von Turku Richtung Mariehamn, Übernachtung in Verkan/Insel Korpo N60*19,41' E021*33,43'  Dort bekamen wir im Restaurant der winzigen, aber übervollen Marina ein Frühstück für 8€, das wir beim Bezahlen der Hafengebühr am Abend gleich mitgebucht haben. In der Sonne ein Frühstücksbüffet wie im Hotel. Genial. Ausgiebig essen wir Rührei, Speck, Ananas, Melone, verschieden Brotsorten und und und. Köstlich. Natürlich kann man da nicht so pünktlich ablegen, um noch ein ausreichendes Etmal zu schaffen und dann noch einen vernünftigen Liegeplatz zu ergattern. Die befahrbaren Buchten sind am späten Mittag schon belegt, die kleinen StopOverMarinas ab 16:00h proppenvoll. Ferienzeit und Hauptsaison in Finnland und Schweden. Einige Deutsche und wenige Holländer sind anzutreffen. Heute geht's weiter Richtung Mariehamn, zunächst im Hauptfahrwasser der Fähren. Zu manchen Tageszeiten scheinen sich die schwimmenden Hauptverkehrsverbindungen auf Åland an einer Stelle zu treffen. Ein richtiger Fährengarten. Naja, so schlimm ist es dann doch nicht. Es sollte halt ein Satz mit dem Wortspiel werden. 
Der Name Sottunga könnte als Bezeichnung für eine Fidschiinsel durchgehen, ist aber eine Anlegestelle ohne wirkliche Serviceeinrichtung, außer einem Restaurant, zu dem sich die finnischen Motorbootfahrer in Flotten ein Stelldichein geben. Am Gästesteg liegt man vor Heckanker, Fender an Fender. Kein Zentimeter Platz zwischen den Booten. Von den breiten Cockpits aus wird beim Nachmittagchampus in Edelsegelklamotten von oben auf die einlaufenden Segler geschaut und wir haben das Gefühl, als wenn Wetten abgeschlossen würden, wie denn die kommenden Yachten noch festmachen werden. Wir verholen zum Anleger des Inselversorgungsschiffs, dass in diesem Moment ablegt. Gegenüber ist noch eine Pier, an der außen die Boote schon in Zweierpäckchen liegen. Innen liegen Motorboote. Ganz vorsichtig, den Tiefgang im Auge, mogeln wir uns dazu und gehen längsseits ins Päckchen zu einem schwedischen Traditionssegler, der eher luschig vertäut ist: Leine vom Mastfuss zum Laternenpfahl. 
Dennoch ein geschützter Platz vor dem kalten Nordwind. Der Traditionssegler ist zur Zeit nicht bemannt. Irgendwie komisch. 
Die Speisezeit in den Restaurants ist  bald vorrüber. Es machen sich 4-6 Motorboote wieder von dannen. Damit hat's wieder ein paar Liegeplätze, nur sind einige Suchende schon abgedreht oder haben sich inzwischen vor Anker in die Bucht gelegt. Hm. 
Wir packen unsere Grillsachen und suchen uns einen großen Felsen, der noch in der Abendsonne liegt. Großartiger Blick nach Osten auf das Fahrwasser. Im Rücken, im Westen, das Holzklohaus. Zwei Toiletten, eine Dusche (2€) das ganze für eine Belegung von, überschlägig 80 Personen an den Stegen. Wie gut, daß die Schweden auf ihren Badeplattformen am Heck duschen und Haare waschen. 
Als der Cobb-Grill heiß ist, liegt unser Abendsitzplatz im Schatten und es wird kalt. Die eingelegten Schnitzel schmecken gegrillt gut. Der Inhalt der finnisch beschrifteten Packung mit dem Huhn drauf, aus dem Supermarkt in Turku, entpuppt sich auf der Grillplatte als Ragoutgeschnetzeltes. Jetzt nicht dran rühren, dann bleibt noch etwas oben auf dem Grill und kann zusammenbacken. Es gelingt. Etwa die Hälfte landet auf dem Teller. 
Im Hafen kehrt langsam Ruhe ein. Der Sprungturm an der Badestelle direkt hinter uns ist verwaist. Die Arschbombenspritzer getrocknet. 
Der Wind hat sich gelegt und die nächtliche Dämmerung mahnt zum Schlafengehen. Es wird nie wirklich dunkel. Nordische Stimmung. 

Zwei Anläufe auf Mariehamn

Donnerstag, 21. Juli 2016. Mariehamn/Åland

Von Sottunga starten wir früh, um zeitig in Mariehamn anzukommen. Rechtzeitiges Erscheinen sichert die besten Plätze. Knapp 30sm wollen wir durch die Fahrwasser von Åland machen, ca. 5,5h. 
Die Route führt von Nordosten auf Mariehamn zu. Eine Drehbrücke kurz vor der Stadt ermöglicht einen kürzeren Weg als dem Fahrwasser der Fähren zu folgen, die die in Nordsüdrichtung langgestreckte Inselgruppe umschippern. Mariehamn wird in der Regel von Süden her angesteuert.
Man muss sich früh im Süden entscheiden, ob man den Osthafen oder den Westhafen anlaufen möchte. Eine Verbindung zwischen beiden Häfen gibt es für Segelboote nicht. 
Wir nehmen also die Abkürzung via Drehbrücke Richtung Osthafen und können vorher fast eine Stunde mit dem Autopiloten geradeaus fahren. Keine Inseln, keine Felsen, keine Seezeichen. Ein bisschen dösen. 
Die Brücke wird zu jeder vollen Stunde für 10 Minuten geöffnet. Es warten schon zwei Yachten, drei weitere kommen im Laufe der Wartezeit hinzu. Für uns eine gute Gelegenheit einen Espresso zu kochen. 
Einen Wartesteg, wie in Holland, vor den Brücken gibt's nicht. Wir halten die Skokie auf der Stelle in dem wir das Heck in den Wind drehen. So kann der Bug sich wie eine Windfahne von allein ausrichten. Der Motor läuft eingekuppelt im Leerlauf rückwärts, um ein Abtreiben bei 4 Bft zu verhindern.   
Unsere Taktik wird bald von einigen anderen Yachten kopiert.  
Endlich ist die Durchfahrt frei, und wie wir es von der Schlei kennen, wird gedrängelt und überholt. Kaum durch die Enge, werden die Gashebel nach vorn gedrückt. Jeder will als erster im noch 2,5 sm entfernten Gästehafen im Osten von Mariehamn sein. Wir versuchen mitzuhalten, bleiben aber mit der Drehzahl im Schonmodus. Wir möchten den betagten Volvo Penta mit seinen 18PS nicht überfordern und belegen bald den letzten Platz im Rennen. 
Nach der letzten Wegbiegung, vor der Einfahrt zur Marina werden alle Yachten gestaffelt von schwarzen Schlauchbooten des Gästehafen abgefangen. Die ersten Yachten drehen schon ab. Wir werden höflich mit gutem Deutsch vom Schlauchbootkapitän informiert, dass die Marina übervoll ist und keine Chance auf einen Platz besteht sofern wir nicht reserviert hätten. Haben wir nicht. Haben wir auch noch nie gemacht und sind immer untergekommen, dort wo wir hin wollten. Aber jetzt? Wir probieren es am Steg der Traditionssegler. Ohne Erfolg. Die Pier ist zwar zur Hälfte leer, man erwartet jedoch eine größere Anzahl hölzerner Gaffelboote. Daher ist reserviert. Zurück zum Gästehafen, wo die Abfangjäger weiter ihrem Auftrag nachgehen. Alle Boote gehen auf Südkurs. Uns wird noch mitgeteilt, dass in Rödhamn, 7-8 sm weiter südlich noch Platz wäre. Eine Bucht mit einem Steg, ohne Trinkwasser,  ohne Strom, sagt das Hafenhandbuch. Das Wetter ist dazu noch ungemütlich geworden. Graue Wolken überall, böiger Wind 4-5 Bft. Wir haben inzwischen die dritte Lage angezogen, um uns gegen den kalten Wind zu schützen. 
So, und jetzt? Erstmal Richtung Süd, den anderen hinterher. 7-8sm bis Rödhamn oder 6sm bis zur Südspitze der Mariehamninsel und auf der anderen Seite wieder 6sm hoch in den Westhafen. Macht zusammen 12. Aber eine gute Ausruh-Marina mit guten Duschen und hervorragender Versorgung (..wir müssen wieder Wäsche waschen) lockt sehr. Wir entscheiden uns für den langen Weg in den Westhafen, beim ÅSS. Dort befindet sich auch die Viermastbark Pommern, das Wahrzeichen von Mariehamn. 
Sicherheitshalber rufen wir beim ÅSS an, unter der Telefonnummer aus dem Hafenhandbuch. Jå, jå, wir haben Platz. Um 20h ist ok. Wir sollen von einem Schlauchboot in Enpfang genommen werden. "Ok, than its booked?" "Yes, welcome".  Nach 3 Stunden fahren wir an der Pommern vorbei und folgen dem Schlauchboot, das uns tatsächlich entgegenkommt. Wir drängeln uns in eine 2m breite Lücke und drücken die Boote, die an den Mooringbojen liegen, auseinander. Dabei springt Andrea auf dem Vorschiff von links nach rechts, steckt Fender um, entfernt Flaggenstöcke damit wir sie nicht abbrechen und wirft genau im richtigen Moment die Bugleine an Land. Sehr übersichtlich und perfekt. Großes Hafenkino mit sauberer Story und Happy End. Die Abkürzung hat dann zu einem Etmal von 46sm und Letzter im Hafen geführt. 

Schweden oder Finnland? ABBA in Åland

Die Ålands sind eine autonome Inselregion. Eigene Flagge, autarker Verwaltungsrat, eigene Briefmarken und Autokennzeichen. Knapp 29.000 Einwohner in einer neutralen, entmilitarisierten Zone.Politisch und geographisch zu Finnland gehörend. Aber schwedisch ist die Amts- und Kommunikationssprache. Die Schilder in den Straßen sind auch nicht mehr zweisprachig wie in Finnland. Man soll sich den Schweden näher fühlen, das Geld kommt aber aus Helsinki. Uns begegnet eine Atmosphäre wie "Heimat" und Inselloyalität. Die Schweden scheinen Åland auch zu lieben. Nicht nur an den vielen Yachten aus Schweden festzustellen.  
Was kommt einem sofort in den Kopf, wenn wir an Schweden denken? Wallander, Olof Palme, Blaubeeren sammeln, Pippi Langstrumpf. Und? Genau: ABBA. Die Musik schallt am Freitagmorgen durch den Hafen. Ziemlich gut interpretiert und klasse Gesungen von einem åländischen Chor "B&B", Björn und Benni. Und wer sitzt da und gibt Autogramme? Richtig. Björn Ulvaeus, der musikalische Kopf von ABBA. Also nix wie hin und in die Schlange stellen, um eine original schwedische Signatur für das Logbuch zu erhalten. Dazu gibt es ålandische Sonderbriefmarken mit Ersttagsstempel. Der Chor singt mit wirklich ganz toll ausgebildeten Stimmen Björns Kompositionen und ABBA-Schlager.  Direkt in der Marina mit dem Segelschiff Pommern im Hintergrund. Erlebnis oder Kitsch? Wissen wir auch nicht genau. Vielleicht beides. Aber schon ein Highlight unserer Reise. Und als wir Teenager waren, war ABBA echt Hipp. 

Eine Kostprobe der ABBA-Hafenatmosphäre haben wir auf Video aufgenommen. 

Zweites musiklisches Event: Jazz

Daß die Skandinavier guten Jazz machen ist bekannt. Oft haben wir Jazzfestivals auf unseren Touren auf der Ostsee verpasst. Auf einem kleinen einfachen DIN A4 Plakat im Hafenmeisterbüro in Mariehamn wird ein Konzert für Freitag 23.7.16 angekündigt. Auf dem Plakat ist ein älterer Misiker mit Saxophon zu sehen.  Sollten wir diesmal Glück haben? Wo findet das denn statt? In der Bastun, das gelbe Gebäude hier im Västrahamn! Wie, in der Bastun, in der Sauna? Ja! Bastu ist schwedisch und heißt Sauna. In dem gelben Gebäude war früher eine öffentliche Sauna untergebracht. Seit vielen Jahren wird die Sauna jetzt als Kleinkunstbühne genutzt. So etwa wie das Lutterbeker bei Wendtorf/Kiel. 
Oh gut, dann können wir uns heute Abend Jazz anhören. Hoffentlich hörbarer Jazz und nicht Bebop oder Freestylegequietsche.. Um 19.40h verlassen wir das Boot und stehen 19.45h an der Abendkasse. 25€ pro Person! Oha. Und wenn die Musik uns nicht gefällt? "Das wird sie", sagt die Kassiererin. "Das ist ganz toller Jazz, wirklich". Wir riskieren es und kommen in den kleinen Saal, der bis auf den letzten der ca. 90 Stühle besetzt ist. Wir stellen uns in den Gang. Der ältere Bandleader des Quintetts, sicher mehr als 80 Jahre alt, begrüßt das Publikum auf schwedisch, natürlich.  Und dann geht's los. Tolle melodische, swingende Musik mit Tenorsaxophon, Trompete, Kontrabass, E-Piano und Schlagzeug. Es spielt das Hacke Björnsten Quintett, Three Generations. 
Sagenhafte Soli und perfekte Instrumentenbeherrschung. Gute Musik in einem richtigen schäbigen Jazzclub. Wie wir es uns vorgestellt haben.
Es gibt drei Durchgänge, das Konzert dauert bis 23h. Das Publikum ist im Schnitt über 60 und scheint die Vorstellung zu genießen. In den beiden Pausen mischen sich die Jazzer unters Publikum, man schwätzt ein wenig. Der Pianist gibt uns gerne Auskunft: Sie kommen aus Stockholm und Hacke ist gern auf den Ålands, er ist gebürtiger Finne. Hat hier in der Bastun in Mariehamn schon mehrere Konzerte gegeben. Der Pianist ist das erstemal hier. "Nice to meet you."
Für uns ist es ein toller Abend in der Sammlung der Erlebnisse auf unserer Ostseereise. Für den Kenner von skandinavischem Jazz ist dieses Konzert sicher ein Ereignis. Jedenfalls kann Hacke Björksten kein Unbekannter sein. Wir haben es hinterher gegoogelt.

Samstag und Sonntag, 23. und 24. Juli 2016

Wir sind noch in Mariehamn geblieben. Es gefällt uns gut und die Atmosphäre in der Kleinstadt und im Hafen ist einfach nett und entspannend. Wir verzichten heute auf eine Ankerbucht und beschließen einen faulen Tag in der Sonne auf dem Boot zu machen. Morgen am Montag wollen wir uns endgültig von Åland verabschieden. Wir werden nach Schweden übersetzen und wollen die Stockholmer Schären erkunden. Der Wind kommt wie schon sooft...? Genau! Direkt von vorne. 

Nationalflagge
Am Heck eines jeden Boots wird die Nationalflagge eines Bootes gesetzt. Unsere heißt seit diesem Jahr nicht mehr "Der Adenauer", wie es Herbert uns beigebracht hat, sondern jetzt "Frau Merkel". 
Wenn man die Flaggenbräuche auf dem Wasser einhält, wird die Flagge, und nach der hohen Schule auch die Gastlandflagge, bei Sonnenuntergang eingeholt. Da hier im Norden die Sonne aber erst so spät, oder gar nicht untergeht, hat man sich auf 21:00h geeinigt.  Kurz vor 21:00h werden hier an Land die Nationalen der Gastboote eingeholt. Danach läuft jemand der Hafenmeisterei mit einem Revolver auf den Steg, schaut auf die Uhr. Um genau 21:00h wird "Skott (Schuß)" gerufen und mit lautem Knall eine Platzpatrone abgefeuert. Das Signal zum Flaggestreichen. Jetzt sollten alle Yachten ihre Flaggen abnehmen.  Als letztes wird die Ålandfahne an Land eingeholt. Eben aus Tradition. 
Mariehamn, Cuba des Nordens? 
Classic US-Cars

Montag, 25. Juli 2016

Etwas wehmütig legen wir in Mariehamn ab. Hier hat es uns besonders gut gefallen. Der Kurs ist, nach einer kurzen Strecke durch die Ålandschären, Südwest. Lässt sich gut segeln und wird mir der Sonne über Schweden einer unserer schönsten Segeltage. Wir haben uns eine Bucht zum Ankern ausgesucht und nach einem Zwischenfall mit dem Motor, hängen wir uns an unser Grundeisen und sind in Schweden. Die Bucht ist sehr voll mit Ferienbooten an den Felsen. Da ist man vor Anker doch besser separiert und liegt nicht so eng. 
Wir erleben eine traumhafte Nacht, ruhig, Mondaufgang, friedlich. Wie aus dem Bilderbuch. 

Kühlwasserproblem

Titel heute: Mein Mann, der Held:
Wir machen gute und schnelle Fahrt Richtung Schweden. Südlich von Nortälje mit dem Ziel Ankerbucht Insel Lidö. 
Wir bereiten den Landfall vor und bergen das Großsegel. 
Gleich nach Motorstart röhrt der Motor mit einem lautem Auspuffgeräusch. Sehr ungewöhnlich.
Schnell das Segel wieder aufgetucht, Motor nur im Leerlauf schieben lassen. Jens geht auf Fehlersuche: 1. Seeventil für Kühlwassereingang? Bettzeug weg, unter dem Bett/Matratzen Motorperipherie gecheckt mit der Taschenlampe. Meldung: Alles Normal. 2. Schauglas des Seewasserfilters? Nur ein kleiner  Rinnsal, kein Wasserstrahl wie sonst. Das bedeutet nicht genug Kühlwasser für den Motor!!! Eine Weiterfahrt riskiert Motorschaden und Ausfall. Ausgerechnet jetzt zwischen den Felsen und der Wind nimmt zu. Motor aus. Mit der Fock machen wir langsame Fahrt. Wir überlegen. Die Pumpe fördert nicht. Das bedeutet Verstopfung oder eine defekte Pumpe. Am laufenden Motor kann man die Pumpe nicht prüfen. Eine Fehlersuche am Motor während wir weiterseheln, hier zwischen den Schären ist ein zu großes Risiko. Also Ankern. Bei 35-40m Wassertiefe reicht aber die Ankerkette nicht. Also Richtung Ufer und bei 6m Tiefe Anker fallen lassen und hoffen, dass er fasst. Ringsum Felsen und Steine, die nur knapp aus dem Wasser ragen. Aber es klappt. Jens holt schnell den Werkzeugkasten und einen neuen Impeller aus der Ersatzteilkiste unter dem Bett. 
Deckel der Pumpe aufgeschraubt. Abgerissenen Flügel des Impellers im Gehäuse gefunden. Der neue Impeller ist schnell eingebaut. Der Wechsel dauert nur 10 Min bis zum Probelauf.  Der ist okay, der Motor fördert genug Kühlwasser und hört sich wieder normal an. Dann eine Zigarette und vom Schreck erholen. Jetzt schnell weg, da der Anker sich nicht richtig in den Grund eingegraben hatte und nicht wirklich hält. Also Ankerauf und weiter zur Insel Lidö. Dauer gesamt: 30-45 Min. Puh!!! Sag ich ja: mein Mann, der Held!
Impeller verschlissen
Impeller verschlissen
Wir verbringen bei wirklich gutem Wetter und günstigem Segelwind wirklich schöne Tage in den Stockholmer Schären. Wie aus dem Bilderbuch und so wie wir es erträumt haben. 
Die erste Bucht Lidö hat den aufregenden Vorspann mit dem Motorkühlwasser. Die Bucht ist dann um 18:00 schon ziemlich voll. Ein Platz an einem Baum oder an einem Felsen ist nicht mehr zu bekommen. Das "schwedische Bootsvolk" hat Ferien und alle besitzen ein Boot und sind mit Kind und Kegel auf dem Wasser unterwegs. Einen Hinweis auf eine noch mögliche Anlegestelle am Felsen bekommen wir von den badenden Ausflüglern nicht. Daher lassen wir den Anker in der Mitte der Bucht fallen und überlassen den Landgang den Urlaubern unseres Gastlandes. 
Als es Abend wird, alle ihr Abendessen zu sich genommen haben und die ersten Kinder im Bett sind, wird es langsam stiller. Der Wind hat sich vollkommen gelegt, wir schwojen um unseren Anker sanft von links nach rechts und wieder zurück. Da wir unsere Uhr in Schweden um eine Stunde zurückstellen müssen auf mitteleuropäische Sommerzeit, dämmert es auch schon etwas früher und es wird wieder dunkler in der Nacht. 
Irgendwann sind wir die letzten und einzigen, die noch im Cockpit sitzen und bei Kerzenschein der Stille zuhören. Als das letzte Glas Wein geleert wird, erscheint der Mond hinter den Bäumen der Insel. Groß und orange-gelb macht er sich auf seine Bahn und steigt sachte höher. Es ist so ruhig, dass selbst die Skokie wie festgewachsen da liegt und kein bischen schaukelt. Alles ist im Einklang.   

Mittwoch, 27. Juli 2016, irgendwo an einer Schäre

Wir haben drei tolle Tage in den Stockholmer Schären erlebt. Vollgepackt mit allem. Und heute haben wir uns mit der Bugleine an einen Baum gebunden. Es ist so friedlich, schön und entspannend. Wir werden in den nächsten zwei Tagen ausführlich  Berichte schreiben. Eben war keine Zeit dafür. Auch die Geschichte vom fehlenden Kühlwasser und der Reparatur des defekten Impellers mit Notankern kommt noch. 
Heute Grillen auf dem Boot, Nachbarschaftsbesuch auf ein Glas Wein beim Nachbarboot mit dem Schlauchboot, Heckanker und endlich entspanntes segeln im Stockholmer Schärengarten. Bilder und Videos kommen auch noch. Freitag wollen wir Stockholm anlaufen. 
Bitte etwas Geduld. 
Andrea und Jens
Skokie am Baum an einer Schäre


Kalvholm, Donnerstag, 28. Juli 2016

Ankerbucht 15sm vor Stockholm. 
Wir haben uns ich für diesen Tag nur wenige Seemeilen vorgenommen. Da es hinter jeder Ecke und hinter jeder Insel etwas Neues und Schönes zu entdecken gibt müssen wir nicht weit fahren. Und unser Plan sieht vor, erst am Freitag in Stockholm zu sein. Das Hafenhandbuch "Hamnguiden Nr.8" steckt voll mit guten Vorschlägen, an welcher Insel oder Bucht es sich besonders lohnt für einen Tag zu bleiben. Die Anschaffung des schwedischen Ringbuchs war genau richtig.  Mit angenehmen Wind um 4 Bft kreuzen wir zwischen den Inseln. Im Gegesatz zu Åland müssen wir uns nicht an vorgegebene Fahrwasser halten, da es hier zwischen den Schären fast immer ausreichend tief ist und die Ufer unter Wasser steil sind. Inzwischen fahren wir gegen den Wind, kreuzen die Felsen eng aus und trauen uns scharf an die Ufer heran. 
Wir haben uns für heute zwei Buchten an der Insel Kalvholmen ausgesucht. Sie liegen direkt neben einander. Dort gibt es viele Felsen, an die man direkt heranfahren und vertäuen kann. Dennoch möchten wir heute gerne mal wieder frei Ankern. 
Ganz geschickt machen wir uns früh auf den Weg. So bleibt dann, bei früher Ankunft noch ein ganzer Nachmittag zum Baden, Schlauchbootfahren und einfach nur im Cockpit in der Sonne dösen. 
Andrea steuert die Skokie sachte in die Bucht. Sie dreht ein paar Schleifen, um eine gute Stelle mit der richtigen Tiefe und Platz zum Schwojen zu finden. Jens steht vorn auf dem Bug, hat Kette und Anker vorbereitet. Aus dem Cockpit ruft Andrea die Tiefenmeldung des Echolots nach vorn. Bei 4 Meter ist ein guter Platz gefunden. Andrea richtet die Yacht im Wind aus und geht dann ganz langsam mit Maschine zurück. Jetzt wird der Ankerr fallen gelassen und 15m Kettenvorlauf gehen zügig auf den Grund. Noch ein paar Meter Ankerleine dazu, dann wird der Anker mit kräftiger Rückwärtsfahrt eingegraben. Beim ersten Versuch löst er sich und wir machen plötzlich Fahrt nach achtern. Beim zweiten Veruch schafft es Andrea durch sachte Steigerung der Motordrehzahl den Anker in den Grund zu ziehen. Bei halber Motorleistung rückwärts bleiben wir jetzt auf der Stelle, die Ankerleine als Verlängerung des Kettenvorlaufs ist zum Bersten gespannt. Anker hält, Motor aus. 
Jetzt haben wir frei und können uns den Genüssen eines Sommerurlaubs auf dem Boot hingeben. 
Nach und nach gesellen sich über den Nachmittag verteilt noch vier, fünf weitere Boote in der Bucht hinzu. Weit weg, aber wir sind nicht allein. Dennoch genug Platz für jeden und jeder für sich. 
Ein paar Mal laufen Wellen von den draußen vorbeifahrenden Finnlandfähren in die Bucht. Es schaukelt, aber das stört uns nicht. Der Abend ist wieder fantastisch ruhig und anmutig. 

Stockholm! Freitag, 29. Juli 2016

Anker auf in der letzten Ankerbucht vor Stockholm. Sehr früh am Morgen. Doch vorher noch Haare waschen. Die Skokie ist Jahrgang 89 und hat weder eine Duschkabine noch Warmwasser oder elektrische Wasserpumpe. Um der Körperhygiene Genüge zu tun, haben wir einen extra Wasserkanister mit elektrischer Tauchpumpe und Duschschlauch. Damit können wir uns im Cockpit naß säubern. Auf den Wasserverbrauch muß man etwas achten und die Temperatur lässt sich nur über die Zugabe von mehr oder weniger heißem Wasser vom Herd regeln. Sonst aber ein funktionierendes System. Also die Locken waschen und anschließend im Fahrtwind trocknen. Geht super. 

Jens zieht den Anker hoch, Andrea steuert aufmerksam zwischen den anderen Ankerliegern hindurch aus der Bucht. Am Anker ist nur wenig Schlamm hängen geblieben. Zwei Eimer Ostseewasser reichen und das Deck ist wieder sauber. 

Die jetzt häufigeren Seezeichen führen uns Richtung Stockholm. Wir haben einen sonnigen Morgen mit blauem Himmel. Das läßt die hübsch bebauten Ufer  noch brillanter erscheinen. An einer Engstelle, die auch die großen Schiffe passieren müssen, haben die alten Schweden ein Kastell gebaut. Die Geschütze sehen aus, als wenn sie noch funktionieren würden. Kommt das Wort Geschütze von Schützen? Das Kastell schützt nämlich Stockholm auf dem Wasserweg. Hier kommt keiner ungesehen vorbei. 
Die Häuser des Speckgürtels von Stockholm sind schwedisch hübsch bis mondän und luxuriös. Jedes Haus hat einen eigenen Bootsanleger, manche einen kleinen Hafen, oft mit Bootslift um die rasanten Motorboote vor Schwell und Bewuchs zu schützen, wenn sie nicht in Benutzung sind. 
Gegen 10h werden es langsam mehr Boote auf dem Wasser. Wie in Finnland düsen diese möglichst eng an den langsameren Seglern vorbei. Und dann kommt sie, die Megayacht von SunSeeker, mit weiblicher Verzierung in weißem Bikini auf dem Vordeck räkelnd, schießt sie über das glatte Wasser durch die glitzernde Sonne. Wir halten nach dem Fotoshootingboot Ausschau, das den neuen Prospekt für SunSeeker oder Yves St. Laurent produzieren soll. Aber es ist nicht da. Das muss wohl doch echt sein. Als ich dem Mann am Steuer grüßend im Vorbeifahren zu winke, muß ich mich anschließend in einem leichten Anflug von Eifersuchtsdebatte rechtfertigen.  
Ich habe wirklich nur den Bootsfahrer gemeint. 
Die Skyline von Stockholm erscheint am Horizont und der Taxibootverkehr nimmt deutlich zu. Auf der rechten Seite taucht der Vergnügungspark Grøn Lunden, ähnlich wie das Tivoli in Kopenhagen, mit seinen Achterbahnen und gleichgewichtssinnstimulierenden Fahrgeschäften auf. Das Kreischen und Quietschen der zahlenden Gäste in den Gondeln und Kabinen ist mehrere Kabellängen weit über das Wasser zu hören. Unser Ziel ist der Wasahamnen, gleich neben dem Vasamuseum auf der Insel Djurgarden. Der liegt günstig für die Erkundung der Stadt. Weiter in die Innenstadt geht's nicht für Boote mit Masten. Vom anderen Ufer schallt Rockmusik von einem Open Air Konzert mitten in der City. Man feiert das "Pride Festival Stockholm 2016". Die größte Homosexuellenparty ganz Skandinaviens. Überall flattern regenbogenfarbene Fahnen. Selbst die Stadtbusse sind mit den Wimpeln geschmückt. 
Als wir um 11:30h anlegen wollen, haben wir noch die Auswahl zwischen mehreren Boxen an Schwimmstegen in der Marina. Eine Dreiviertelstunde später ist es in dem kleinen Hafen voll. Die Segelyacht "Kone" aus Lübeck läuft direkt nach uns ein. Wir sind uns ab und zu auf der Fahrt in Finnland und Åland begegnet und zufällig auch in der Ankerbucht Paradiset, wo wir auf ein Glas Wein am Abend mit dem Beiboot hinüber gepaddelt sind. Ronald und Wiebke sind das zweite Paar, das wir treffen und das sich von seinen Arbeitgebern eine Auszeit für einen Ostseetörn hat genehmigen lassen. Sonst sind auf den Yachten aus ferneren Ländern, wie Deutschland, Niederlande, Belgien, England und Irland zumeist Pensionäre unterwegs. Auf der Rentnerroute, wie wir uns erlauben zu witzeln. 


In eigener Sache

Wir haben für unseren Reisebericht viel Lob und Zuspruch bekommen. Vielen Dank an alle Freunde und Leser, die unserem Segelsommer so mitverfolgen. 
Seit 11. Juli sind wir in die Pro Version von Jimdo gewechselt, um noch weitere Bilder hochladen zu können. Eine zusätzliche Funktion der Pro Version ist eine statistische Auswertung der Besuche auf dieser Homepage. Und da hat es uns jetzt wirklich umgehauen: Allein in der letzten Woche waren 83 Besucher mit fast 290 Seitenaufrufen bei uns. Seit dem 11.7.16 178 Besucher mit weit über 600 Seitenaufrufen. Wow! Danke für soviel Interesse. Das motiviert uns weiter von unseren Erlebnissen auf der Fahrt mit der SKOKIE durch die Ostsee zu erzählen. 

Wenn ihr uns zu einzelnen Dingen etwas mitteilen möchtet oder Fragen habt, könnt ihr das gerne über den Blog tun. Auch wenn es nur Kleinigkeiten sind, wir antworten schnellstmöglich. 
Wir sind nämlich auch sehr neugierig, wer denn die vielen Menschen sind, die beim Lesen dabei sind. 

Dass die Seite nicht sehr professionell aufbereitet ist, möge man verzeihen. Aber wir können so, ohne viel Auswand, über iPad und iPhone zeitnah zum Verlauf unserer Fahrt berichten.    

Samstag, 30. Juli 2016, Zweiter Tag Stockholm

Nach dem ersten Test des Nachtlebens in der Gamla Stan, der Altstadt auf der Insel mit dem Schloß, haben wir heute Stockholm noch einmal mit dem Klapprad bei Tag besucht. Ein Frisörtermin stand an und die ausgiebige Besichtigung des königlichen Schlosses. Sylvia war leider nicht zu Haus und Carl Gustav vermutlich auf Öland in den Ferien, sodass unsere Schweden-VIP-Tour einen kleinen Knick hinnehmen musste. Trotzdem ist das Viertel um die Altstadt und den Königssitz beeindruckend. 
Wir schlendern durch die Stadt und lassen den Flair auf uns wirken. Jede der großen Städte, die wir besucht haben ist anders und strahlt ein eigenes Gefühl aus. Wir finden hier in Stockholm gibt es besonders viele hübsche Menschen, Männer wie Frauen. Das gute Wetter lockt alle auf die Straßen und man zeigt sich. Angenehm, nicht überzogen. Hier kann man sicher gut leben, wenn auch teuer. Der Platz im Hafen greift  mit ca. 40€/Nacht auf unsere Bordkasse zu, ein Glas Bier im "Engelen", einer In-Bar in der Gamla Stan, will mit 6,50€ bezahlt werden. Fast finnische Verhältnisse. 

Sonntag, 31. Juli 2016
Heute noch einmal Stockholm. Es gibt soviel zu sehen. Das Vasa-Museum mit dem konservierten Segelschiff, das 1628 auf seiner Jungfernfahrt im Hafen von Stockholm gesunken ist, ist eines der besten historischen Museen. Sehr beeindruckend ist das Schiff selbst, aber auch die Didaktik mit der das Leben und die Umstände des 17. Jahrhunderts zur Zeit von Gustav Vasa im Krieg mit den Polen vermittelt wird ist grandios. Erstaunlich wieviel von der Vasa im Hafenschlamm über 300 Jahre erhalten geblieben ist. Unbedingte Empfehlung für jeden bei einem Stockholmbesuch. 


Morgen, am Montag geht's für uns wieder aufs Wasser raus. Durch Stockholms südliche Schären, Richtung Norrköping/Mem. Dort liegt die Zufahrt zum Götakanal. 
Den Bericht über unsere 3. Etappe schließen wir hiermit ab und machen mit der 4. Etappe weiter. Noch rechnen wir in Wochenabschnitten. Ab Göteborg dann wohl eher in Tagen. Dass der Sommer irgendwann zuende gehen wird ist klar. Dass das Bootsleben dann auch zuende sein wird, klingt für uns ganz irreal. 

Unsere Rückkehr in den Heimthafen nach Wendtorf haben wir für Freitag, 2. September geplant. Das Timing werden wir hoffentlich genau hinbekommen. Aber jetzt erstmal in die 4. Etappe.